Schöner älter werden mit Yoga

Früher habe ich mir „das Alter“ immer vorgestellt als eine Zeit, in der ich nicht mehr arbeiten muss und den ganzen Tag lang tun kann, was mir Spaß macht. Dass meine Knie, Augen oder aerobische Ausdauer mich dabei an irgendetwas hindern könnten, ist mir überhaupt nicht in den Sinn gekommen.

Vierzig Jahre später sieht die Sache heute anders aus. Altersweitsichtigkeit hat mir eine ganze Handvoll schicker Brillen für verschiedene Zwecke beschert. Meine Griffkraft und meine Ausdauer sind nicht immer so verlässlich, wie mein Kopf sich das wünscht.

Deshalb bin ich gerade dabei, in meinen Yogaprogrammen mit Gewichten zu experimentieren. Durch Yoga habe ich gute Selbstwahrnehmung und kann meine Muskeln entsprechend effektiv und gezielt einsetzen. Durch die Gewichte verstärkt sich der Nutzen für die Kraft, und die zusätzliche Belastung baut meine Knochen auf. Das schützt mich dann auch vor Osteoporose.

Noch so ein Thema, über das ich mir nie Gedanken gemacht habe! Aber bei etwa einem Viertel aller Frauen über 65 hat die Knochendichte so stark nachgelassen, dass ihre Knochen schon bei geringer Belastung brechen können. Und bei den 70jährigen hat sogar fast jede zweite Frau brüchige Knochen. Die 70jährigen Männer sind mit nur 17% weniger oft betroffen. Aber gerade für uns Frauen ist es enorm wichtig, die Knochen regelmäßig zu belasten, um den Knochenaufbau anzuregen.

Die Bewegung beim Yoga bringt noch mehr für die Prävention: Wer beweglicher ist, ist sicherer auf den Beinen, stürzt seltener und verringert auch dadurch die Wahrscheinlichkeit, einen Knochen zu brechen. Beim Yoga üben wir außerdem stabiles Gleichgewicht und präzise Koordination. Auch das schützt vor Knochenbrüchen. Weil wir auf diese Weise körperlich mobil bleiben, können wir weiterhin reisen und Ausflüge machen. Also die Art von Abwechslung, die uns auch geistig fit und beweglich hält.

Für ältere Menschen wird außerdem oft ein Thema wieder wichtig, mit dem ich mich bereits zwanzig Jahre lang bei Neu-Müttern und Schwangeren beschäftigt habe, nämlich der Beckenboden. Ehe sich die männlichen Leser entspannt zurücklehnen und denken, „das betrifft mich noch weniger als Osteoporose“: Beckenbodentraining ist sehr gut für die Prostata und die umliegenden Organe. Der Beckenboden unterstützt außerdem die Erektion. Bei beiden Geschlechtern schützt ein starker Beckenboden vor Inkontinenz und erhöht den Spaß beim Sex. (Das ist vielleicht mal ein heißerer Anreiz als eine bessere Haltung und Schutz vor Rückenschmerzen…)

Warum aber ist gerade Yoga so besonders geeignet fürs schönere Älterwerden? Beim Yoga steht immer der Teilnehmer im Mittelpunkt, und die Übungen werden ihm oder ihr angepasst. Es muss sich also niemand mit vermeintlich fitteren Kollegen auf der Matte vergleichen. Für jeden gibt es eine passende Variante.

Außerdem spielt beim Yoga der Atem eine zentrale Rolle. Wir setzen ihn ein, um Kraft und Ruhe zu fördern. Deshalb macht Yoga nicht nur stärker, sondern entspannt und beruhigt auch. Das bedeutet: Yoga fördert das eine Werkzeug, das wir immer dabei haben und mit dem wirklich jeder immer üben kann, unabhängig von seiner aktuellen körperlichen Verfassung. Das ist gerade dann besonders nützlich, wenn wir unzufrieden mit uns sind, weil Dinge nicht (mehr) so schnell gehen, wie der Kopf sich das denkt.

Ganz wichtig finde ich außerdem: Yoga ist ganz anders als Kranken- oder Reha-Gymnastik. Yoga ist ein Programm für den ganzen Körper. Jeder findet beim Yoga Übungen, die er oder sie gut kann. Das macht einfach Spaß. Und Spaß ist einer der am stärksten unterschätzten Faktoren, die Yoga so wirksam machen.

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