Der innere Schweinehund will nur spielen, oder: Wie Bewegung Spaß macht und die Faszien gesund hält

Bewegung ist nicht gleich Bewegung. Wer hat schon mal gedacht, „ich sollte eigentlich mehr tun…“ und ist dann doch auf dem Sofa sitzen geblieben? Mich erstaunt nicht, dass viele Leute Probleme mit ihren inneren Schweinehunden haben. Die armen Biester haben nicht viel Spaß im Leben. Sie wollen einfach nur faul herumliegen. Und ihre Frauchen und Herrchen meistens auch. Aber die Besitzer werden von ihrem schlechten Gewissen angetrieben, etwas für ihre Gesundheit zu tun. Und so schleppen sie sich und ihre Schweinehunde dann zum Sport und hüpfen herum, auch wenn sie manchmal sozusagen hundemüde sind. Natürlich geht es nicht allen immer so, aber ich bin sicher, es geht allen irgendwann mal so, und manchen ziemlich regelmäßig.

Wie wäre das, wenn du deinen Schweinehund mal nicht an die Leine nimmst, sondern ihn einfach frei herumlaufen lässt? Vielleicht braucht er gar kein Zirkel-Dressur-Programm. Vielleicht möchte er hüpfen. Oder sich einfach nur räkeln. Das kann er nämlich gut. Das fühlt sich nicht nach Arbeit an. Ich beschäftige mich gerade intensiv mit Bewegungen, die gut sind für die Faszien, also unser kollagenes Bindegewebe. Die wollen auch bewegt werden, sonst versteifen sie, aber anders als Muskeln. (Wer schon mal bei der Osteopathie oder Massage war, kennt den Aufschrei: „Deine Faszien sind verklebt!“)

Faszien sind ein durchgehendes Netzwerk aus kollagenen und elastischen Fasern und einer gelartigen Grundsubstanz, das unsere Muskeln, Organe und Knochen umhüllt und verbindet. Sie geben dem Körper Form, übertragen Kräfte und liefern wichtige Sinnesinformationen über unsere Lage und Bewegung im Raum. Wenn wir uns wenig oder einseitig bewegen, kann das dazu führen, dass die Faszienschichten weniger gut gegeneinander gleiten und sich fester anfühlen. Das kann die Bewegungsfreiheit einschränken. Wer weniger beweglich ist, bewegt sich oft weniger gern, und so schaukelt sich eine kleine Einschränkung über einen längeren Zeitraum leicht zu einem großen Problem hoch. Aber das muss nicht so kommen.

Weil Faszien anders strukturiert sind als Muskeln, brauchen sie allerdings andersartige Bewegungen, um gut mit Nährstoffen versorgt zu werden. Faszien lieben lockere, leichte Bewegung in alle Richtungen. Sie lieben Abwechslung, sie profitieren von längerem Halten ohne große Anstrengung. Ich nenne das „organisiertes Räkeln“, und ich mache es sehr gern in meinen Stunden (und auch jetzt, in kleinen Schreibpausen). Denn es sind machbare, angenehme Bewegungen. Manche Leute behaupten sogar, sie machen Spaß. Und das, obwohl sie gut für die Gesundheit sind!

Auf jeden Fall sind solche Bewegungen extrem aufbauend für alle, die sich gerade von Verletzungen oder Krankheiten erholen. Gerade auch für diejenigen, die Physio- oder Chemotherapie verschrieben bekommen haben, denn diese Therapien behandeln ja nur den betroffenen Körperteil, nicht den ganzen Bewegungsapparat. Und ein kaputtes Bein existiert nun mal nicht im freien Raum, sondern gehört zu einem Skelett. (Banal, aber wird trotzdem bei der Behandlung oft ausgeklammert.) Extrem nützlich ist diese Art der Bewegung auch für alle, die einfach noch mit 85 an die Mehltüte im oberen Regal drankommen wollen, ohne zu straucheln oder die Tüte fallen zu lassen.

Und bei all diesem Räkeln steht der Schweinehund daneben und wedelt fröhlich mit dem Schwanz. Denn: Spielen mag er immer!

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