Atmen, bewegen, Vertrauen finden: Warum Yoga bei Krebserkrankungen so guttut

Welch eine seltsame Krankheit: Den Krebs selbst bemerken viele Betroffene gar nicht. Aber die Nebenwirkungen der Krebstherapie fordern dem Körper oft enorm viel ab. Dazu kommen Sorge und Belastung durch die Ausnahmesituation. Viele Menschen erzählen mir, dass sie sich während der Behandlung manchmal komplett fremd im eigenen Körper fühlen. Müdigkeit, Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen, Bewegungseinschränkungen und andere Begleiterscheinungen können den Alltag schwer machen. In dieser Stresssituation, die sich meistens unerwartet und sehr plötzlich entwickelt, kann Yoga ein deutliches Gegengewicht setzen und dadurch erstaunlich viel Kraft liefern.
Wissenschaftliche Studien zeigen inzwischen sehr klar, dass Yoga viele Nebenwirkungen der Krebstherapie lindern kann. Ich stelle hier drei große aktuelle Studien vor, weil sich an ihren Ergebnissen wunderbar ablesen lässt, welche weitreichende körperliche und seelische Wirkung Yoga bei Krebserkrankungen hat.

Yoga gegen Erschöpfung: Mehr Energie im Alltag

Viele Patienten berichten während der Therapie von einer tiefen, anhaltenden Müdigkeit, der sogenannten Fatigue, die den Alltag komplett aus dem Takt bringt. Eine große Meta-Analyse zeigt, dass Yoga diese Erschöpfung spürbar reduzieren kann. Interessant dabei ist: Die Studienteilnehmer, die sich beim Yoga aktiv bewegten, berichteten von einem deutlicheren Nachlassen ihrer Erschöpfung als diejenigen, die nur yogische Atem- und Entspannungsübungen machten. Auch Depressionssymptome ließen signifikant nach. Die ganze Studie aus dem Jahr 2020 steht hier.
Ich höre oft, dass schon kurze bewegte Pausen, Atemübungen und Entspannungsphasen den Teilnehmern wieder ein Gefühl von Lebendigkeit geben. Es geht nicht darum, Bäume auszureißen, sondern darum, sich selbst im veränderten Körper wieder zu spüren und besser zu fühlen. Die Wirkung ergibt sich aus der besonderen Kombination aus sanfter Bewegung und bewusster Entschleunigung. Diese Mischung unterscheidet Yoga von Sport und reiner Bewegung.

Yoga für besseren Schlaf und weniger Stress

Eine weitere wissenschaftliche Übersichtsarbeit zeigt, dass Yoga zusätzlich viele belastende Symptome während der Krebstherapie lindern kann, zum Beispiel Schlafprobleme und Stress. Das überrascht nicht: Wenn wir uns bewegen, bewusst atmen und uns Zeit für uns selbst nehmen, beruhigt sich das Nervensystem. Alle Details der Studie von 2019 sind hier nachzulesen.
Viele meiner Teilnehmerinnen sagen schon nach einer Stunde: „Ich habe das erste Mal seit Tagen wieder ruhig und tief geatmet.“ Und genau das ist das Besondere am Yoga: Es schafft kleine Inseln der Ruhe, auf die das Nervensystem mit Erholung reagiert. Regeneration wiederum setzt Energie frei, die dann für die Heilung zur Verfügung steht.

Yoga stärkt die Lebensqualität

Eine weitere Meta-Analyse, die sich speziell mit Brustkrebspatientinnen beschäftigt, zeigt, dass Yoga die Lebensqualität insgesamt verbessern kann: Die Teilnehmerinnen in den Yogagruppen hatten mehr Energie, litten weniger unter Übelkeit, Schmerzen und anderen Nebenwirkungen. Auch die emotionale Lebensqualität der Yoga-Übenden nahm zu: Sie fühlten sich weniger traurig und besorgt und hatten mehr Hoffnung als die Teilnehmerinnen, die nicht Yoga übten. Hier ist der Link zur kompletten Studie.
Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, sich nicht nur als Patientin zu fühlen, sondern als ganzer Mensch. Yoga unterstützt genau diesen Ansatz: Du darfst dich bewegen, so wie es dir guttut. Du darfst Grenzen spüren und akzeptieren. Und du darfst dich wieder mit deinem Körper anfreunden.

Kleine Yoga-Momente, große Wirkung

Man muss nicht jeden Tag eine Stunde üben. Schon wenige Minuten wirken. Ein paar Schulterkreise, eine Atemübung, oder einfach ein Moment, in dem du bewusst wahrnimmst, wie du dich fühlst. Diese ganz kleinen Dinge machen einen großen Unterschied.
Yoga ersetzt keine medizinische Behandlung, aber es kann ein wunderbarer Begleiter sein, der dafür sorgt, dass die Nebenwirkungen der Krebstherapie weniger Schwierigkeiten machen und man stärker durch diese anstrengende Zeit kommt.
Niemand muss diesen Weg allein gehen. Ich stehe dir gern zur Seite, mit dem vielseitigen und wandelbaren Werkzeugkasten yogischer Übungen, und ich höre zu.

 

Ich habe die zertifizierte „Yoga und Krebs“-Ausbildung der Kammler-Akademie absolviert und unterstütze Krebspatienten während und nach ihrer Therapie.

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